Die Euro6d Abgasnorm und RDE-Tests

Ab dem 01.09.2017 tritt die Abgasnorm Euro6c für neu typgeprüfte Fahrzeuge in Kraft und ein Jahr später ist sie bindend für alle neu zugelassenen Fahrzeuge. Damit gelten für Ottomotoren die gleichen Partikel-Grenzwerte wie bei Dieseln. Um die strengen Grenzwerte einhalten zu können, benötigen die Ottomotoren zukünftig ebenfalls einen Partikelfilter, den sogenannten Ottopartikelfilter (OPF). Die Mehrkosten bei der Neuwagenproduktion dürften sich dafür um die 50 Euro bewegen.  Vorreiter ist Mercedes-Benz mit dem S500 der bereits seit 2 Jahren mit einem Filtersystem angeboten wird.

In Folge des Abgasskandals stimmte das Europaparlament in Brüssel am 03. Februar 2016  für neue Abgastests.

Ab September 2017 müssen neu typgeprüfte PKW eine Emissionsprüfung unter realen Fahrbedingungen, sogenannte Real Drive Emission Tests (RDE) bestehen, bevor sie die Zulassung für die EU erhalten (Euro6d-TEMP).  Diese Tests sind schwieriger zu bestehen als die bisherigen "Labor-Tests" da im Fahrbetrieb auf der Straße im Regelfall höhere Verbrauchswerte & Emissionswerte gemessen werden als im Labor. In der Vergangenheit hatten Untersuchungen verschiedener Prüforganisationen teilweise unglaublich starke Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt. Mit den neuen Testmethoden sollen diese starken Abweichungen in Zukunft vermieden werden.

Außer der Messtechnik werden auch Rahmenbedingungen der Realität angenähert. Der Prüfzyklus wird verlängert auf Fahrzeiten zwischen 90 und 120 Minuten, die Höchstgeschwindigkeit während des Tests sowie die Durchschnittsgeschwindigkeit steigt. Des weiteren werden die Testanteile mit konstanter Geschwindigkeit reduziert und die Fahrzeuge werden öfter beschleunigt, Stop & Go-Verkehr und Steigungen werden ebenfalls berücksichtigt. Es wird zum drittel in der Stadt, über Land und auf der Autobahn gefahren.

Gemessen wird mit einem mobilen Messgerät (Portable Emissions Measurement System, PEMS). 

So sauber wie eigentlich vorgesehen müssen die Autos aber beim RDE-Test zunächst doch nicht sein. Die Automobilindustrie hat durchgesetzt, dass die Grenzwerte für den Stickoxidausstoß bis zum Jahr 2020 um den sogenannten Konformitätsfaktor 2,1 übertroffen werden dürfen. Das bedeutet: Auf dem Papier darf z.B. ein neuer  Dieselmotor maximal 80 Milligramm Stickoxid pro Kilometer ausstoßen. 80 x 2,1 = 168 Milligramm sind somit erlaubt. 2020 sinkt dieser Faktor auf 1,5. 80x 1,5 = 120 Milligramm sind dann noch erlaubt. Bei Benzinern wird bis 2020 ganz auf die Untersuchung des Stickoxid-Ausstoßes verzichtet und das obwohl mittlerweile bei Tests des ADAC auch bei einem Benziner erhöhte Stickoxid-Emissionen festgestellt wurden.

Der RDE-Test ist trotzdem anspruchsvoll. Vor allem aufgrund der natürlichen Umgebung. Es gibt viele Rahmenbedingungen auf der Straße, die nicht standardisiert werden können, wie zum Beispiel die Wetterverhältnisse oder die persönliche Fahrweise des Testfahrers.

Durch die Konformitätsfaktoren können Differenzen durch die geringere Messgenauigkeit bei RDE-Tests ausgeglichen werden.  Allerdings sorgen die Faktoren auch dafür das sich wohl vorerst an den zu hohen Stickoxidausstoß im Straßenverkehr nicht viel ändern wird.

 

Das EU-Parlament hat am Dienstag den 04.04.2017  über den Abschlussbericht seines Abgas-Untersuchungsausschusses abgestimmt und fordert europaweit schärfere Zulassungsverfahren für Neuwagen.

Falls PKW-Hersteller bei den Emissionswerten betrügen, soll in Zukunft bis zu 30.000 Euro Strafe pro Wagen verhängen werden können.

Die Abgeordneten drängen außerdem darauf, dass in den Mitgliedsstaaten Gesetze für Tests nach realen Fahrbedingungen schnellstens verabschiedet werden. Mindestens 20 % aller neuen Modelle sollen in Zukunft getestet werden.